Dienstag, 14. März 2017

Salut Hetty

Guten Abend, meine Damen und Herren. Kapitän Meier-Müller und die gesamte Besatzung begrüßen Sie ganz herzlich an Bord Ihres Peacock Airlines Flug nach Frankfurt. Ich bin heute die verantwortliche Flugbegleiterin auf diesem Flug und wünsche Ihnen nun einen angenehmen Aufenthalt an Bord unserer pfauenbunten Boeing 727...

Hetty heißt der aktuelle Neuzugang in der Kollektion So! Pattern, dem Label von Stefanie Kroth, den ich wieder testen durfte. Mit diesem Schnitt hat sie einen Entwurf der Schweizer Kleidermacherin Hetty Rapeaud umgesetzt. Hetty kommt mit Kellerfalte im Vorderteil und einem aufgesetztem Reißverschluss daher. Für guten Sitz sorgen seitliche Brustabnäher. Angeschnittene Ärmel in zwei Längenvarianten - einmal in 7/8-Länge wie hier zu sehen, einmal in kurz, machen den Look perfekt. Klare Linien, schlicht gehalten und durch die Stoffwahl von elegant über alltaugstauglich bis verspielt: Alles ist möglich. Oder, um es mit den Worten von Hetty Rapeaud zu sagen: "the whole world‘s a stage and we are all part of it...."


Aber wir bestimmen, welche Rolle wir spielen. Ich gehörte zu denjenigen, die sich bereits recht früh im Probenähen mit Hetty einlassen durften. Auf den ersten Blick hatte ich Assoziationen von Jackie Kennedy und anderen Stilikonen der 1960er Jahre im Etuikleid mit der Pillbox auf dem Kopf. Aber da kurz vor Karneval imRheinland ohnehin alles auf Jeck steht, hatte ich beschlossen, meine erste Hetty einmal ganz gepflegt gegen den Strich zu bürsten und auf ganz andere Weise zu interpretieren.

Bühne frei für bunte Federn und ein verrücktes Huhn: Von den Stilikonen der 1960er Jahre bis zur Stewardess war es nicht weit. Hier zeigt sich, wie sehr die Stoffwahl den Look bestimmt. Als ich diesen quietschbunten Stoff mit dem Pfauenprint sah, war mir klar: Der ist perfekt. Eigentlich mag ich Polytierchen nicht so gerne vernähen, aber in diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht. Und das war auch gut so. Mit dem farbenfrohen Kleid bin ich auf jeden Fall an den Karnevalstagen aufgefallen - und war obendrein noch schick angezogen. Abgerundet wird der Look der Stewardess durch eine passende Kopfbedeckung. Die Anleitung stammt aus dem Bernina Blog und lässt sich schnell, unkompliziert und pfiffig realisieren.

Aber wie heißt es so schön: Am Aschermittwoch ist alles vorbei, und so wandert auch meine pfauenbunte Hetty in den Kleiderschrank u den andern Kostümen. Dennoch mag ich nicht auf diesen Schnitt im Kleiderschrank verzichten. Daher habe ich gleich eine zweite Version hinterher geschickt: In diesem Fall aus einem leicht dehnbaren Jeansstoff, wodurch es auch alltagstauglicher ist als die Nummer 1. Selbst meinem größten Kritiker gefällt es, auch wenn ich mich an die Länge erst wieder gewöhnen muss. Es ist ein paar Jährchen her, dass meine Rocksäume oberhalb des Knies end
eten.

Mir gefällt an der Hetty besonders die schlichte Silhouette, die viel Raum zum Gestalten bietet. Ich erwähnte es sicher schon an anderer Stelle: Ich bin nicht die große Tüdeltante, und gemusterte Stoffe setze ich eher in homöopathischen Dosen ein, wenn ich für mich nähe. Und genau deshalb mag ich schöne, schlichte Schnitte, die aber trotzdem einen gewissen Schick haben. Das gilt einmal mehr für die Hetty, die in meinen Kleiderschrank in Größe 3XL eingezogen ist.


Schon allein meine beiden, sehr unterschiedlichen Hettys zeigen:

Ein SO!-Schnittmuster – tausend Ideen!

Wie unterschiedlich die übrigen Nähexpertinnen den Schn itt interpretiert haben, zeigt unsere kleine Blogtour mit den Ergebnissen vom Probe- und Designnähen. Damit du keinen der Einträge verpasst, hier sind sie alle verlinkt und ab dem jeweiligen Erscheinungstag sichtbar.

Such bei den Facebook-Seiten #kleidhetty, das geht schneller.

Lass dich inspirieren! Und wenn du selbst akutes HETTY-Fieber bekommst: Sicher dir dein PDF für nur 2 € mit dem Gutscheincode: hetty23 (gültig bis 19. März 2017)

13. März 2017
 Josephîn Thérès - Nähen mit Herz // Josephin bei Facebook  #kleidhetty
 Wonnig
 Made by zina bei Facebook #kleidhetty
14. März 2017
Verwebt
Max n Moritz bei Facebook #kleidhetty
15. März 2017
Huhn mit Blog
Töltqueen-Design bei Facebook #kleidhetty
16. März 2017
Mojoanma
Fadenschnitt
Kreativ-sucht
Kittygoescrazy
Maritabw
byLinkim bei Facebook #kleidhetty
17. März 2017
Bykataryn
Naehfarn bei Facebook #kleidhetty
Sonnenscheinhase74 bei Facebook #kleidhetty
18. März 2017
Gabine.de
Monesatelier
a-k.koobecaf bei Facebook #kleidhetty
Sandra Koch-Michels bei Facebook #kleidhetty
19. März 2017
Schnittwechsel.de
lebenundlaufen.over-blog.de




Montag, 20. Februar 2017

Ich bin ein Seeräuberkapitän...

Meine Tochter mag Donikkl: Vor allem sein "Pirat" hat es ihr angetan. Als dann auch noch ein Piratentanz für die Karnevalsparty in der Grundschule einstudiert wurde, kam dann schnell der Wunsch nach einem Piratenkostüm auf.

Tja, eigentlich war zu diesem Zeitpunkt das Kostüm eines mittelalterlichen Burgfräuleins schon fertig.... "Mamaaaaa, ich kann doch nicht als Prinzessin zu einem Piratenlied tanzen. Ich will viel lieber eine Piratenprinzessin sein." Naaaa gut...

Also hieß es einmal mehr in der Stoffsammlung wühlen. Da ihr dies am Samstag Nachmittag nach Ladenschluss des hiesigen Stoffhändlers einfiel, kam erschwerend UWYH dazu. Zum Glück fiel mir ein cremefarbener Bettbezug in die Hände, der sich für ein längst angedachtes Projekt eignete: Den Schnittmusterhack aus einem amerikanischen Blog. Eigentlich sollte es nach Ankündigung der Bloginhaberin auch einen Schnitt dazu geben, aber den habe ich leider vergebens gesucht. Also habe ich den Grundschnitt schon vor längerer Zeit selbst gebastelt. Jetzt musste der nur noch aus dem Bettbezug zugeschnitten und genäht werden. Ein bisschen getüftelt habe ich an der Saumrüsche, die ich ein wenig anders angelegt hatte als im Original. Aber ansonsten ist es alles in allem ein schnell und einfach zu nähender Rock geworden, den ich mir für meine wilde Maus durchaus auch noch einmal (wie das Original) in Naturtönen vorstellen kann.

Das Bandana entstand nach einem Freebook von Hexenklexse - ebenfalls aus dem cremefarbenen Bettbezug. Ein weiteres Reststück wurde zur Schärpe umfunktioniert - dekoriert mit ein paar goldfarbenen Fransen aus einem Überraschungspaket vom Stoffmarkt. Schließlich braucht auch eine Piratenprinzessin ein Schwert zum Verteidigen gegen Seeungeheuer,  nervige Klassenkameraden oder als Argumentationsverstärkung beim Plündern der Süßigkeitenschublade.

Da Creme jetzt nicht so die übliche Piratenfarbe ist, durften die drei Teile mit roter Textilfarbe eine Runde in der Waschmaschine drehen. Unmittelbar vor dem Farbbad gab es eine kurze Schrecksekunde: Ich hatte die Materialzusammensetzung des Bettbezuges nicht geprüft und hatte kurzfristig Panik, dass es sich um ein reines Polytier handelt. Zum Glück war es aber doch reine Baumwolle, so das dem Farbbad nichts im Wege stand. Wäre es eine Kunstfaser gewesen, hätte ich ein 1A-Teil für die Tonne produziert. Denn Creme mit roten Nähten sieht doch sehr merkwürdig aus. Aber da ich kein Baumwollgarn im haus hatte, hatte ich direkt mir rotem Faden genäht.

Komplett wird das Set durch eine naturfarbene Bluse. Hierfür habe ich ein englisches Freebook für ein sogenanntes Peasant Dress genommen. Im Prinzip ist das eine Bluse mit überschnittenen Ärmeln und Gummizug am Ausschnitt. Verwendet habe ich hier ein Stück Bomull vom großen Schweden.

Die Weste ist ebenfalls zusammengestückelt. Für den Schnitt habe ich als Basis das Party Dress von Cottage Mama genommen. Allerdings wurde das Rückenteil mit der Überlappung für die Knopfleiste zur Vorderseite, und die Vorderseite im Bruch zum Rücken. Geändert habe ich außerdem die Ausschnittkanten: statt dem tieferen Ausschnitt auf dem Teil im Bruch habe ich hier die flachere Kante vom Rücken genommen. Auf den Teilen mit Überlappung habe ich einfach einen neuen Halsausschnitt gezeichenet. Ich habe inzwischen so viele Kleider nach dem Party Dress-Schnitt genäht, das geht inszwischen flott von der Hand. Material waren irgendwelche schwarzen Reste aus der Scrabs-Kiste. Abgerundet wird die Weste mit ein paar Goldknöpfen aus der großen Knopfsammelkiste.

Alles in allem ist das gesamte Kostüm in knapp sechs Stunden Nähzeit entstanden. Aber es ist ein wundervolles Ensemble, das auseinander genommen und anders kombiniert auch nach Aschermittwoch seinen Platz im Kleiderschrank finden wird.